In Ostdeutschland leben Millionen Menschen in Plattenbauten – und viele wünschen sich offenere Grundrisse. Doch die Bauweise der DDR-Wohnblöcke ist speziell: Plattenbauten sind Schottenbauwerke, bei denen fast alle Innenwände tragend sind.
Was ist Schottenbauweise?
Im Plattenbau werden die Lasten nicht über einzelne tragende Wände, sondern über ein System von Querwänden (Schotten) abgetragen. Die Betonplatten der Decken liegen auf diesen Querwänden auf. Das bedeutet:
- Fast alle Querwände sind tragend – sie tragen die Deckenplatten
- Die Längswände (Außenwände und Flurwände) können tragend oder aussteifend sein
- Das Tragsystem ist extrem regelmäßig – alle Wohnung haben den gleichen Aufbau
Verbreitete Plattentypen
| Typ | Verbreitung | Besonderheit |
|---|---|---|
| WBS 70 | DDR-weit, am häufigsten | 6,00 m Raster, alle Querwände tragend |
| P2 | Berlin, Brandenburg | Großplattentyp, ähnlich WBS 70 |
| Typ Dresden | Sachsen | Eigenes Raster, teilweise größere Spannweiten |
| IW 64 / IW 66 | Verschiedene Bezirke | Industrieller Wohnungsbau, diverse Varianten |
Stand März 2026
Ist ein Wanddurchbruch möglich?
Grundsätzlich ja – aber mit erheblichen Einschränkungen:
- Die Öffnungsbreite ist begrenzt: Da die Querwände die Deckenplatten tragen, kann nicht beliebig viel Wand entfernt werden.
- Ein Stahlträger muss die Lasten der Deckenplatte übernehmen – die Berechnung ist bei Plattenbauten aufwändig, weil die Deckenplatten vorgefertigt und teilweise vorgespannt sind.
- Manche Durchbrüche sind nicht möglich, weil die verbleibende Wandfläche nicht ausreicht, um die Lasten abzutragen.
Was typischerweise geht
- Durchgang (ca. 1–1,5 m) in einer Querwand – z. B. für offene Küche
- Vergrößerung einer bestehenden Türöffnung um 20–40 cm
- Entfernung nichttragender Flurwände (falls vorhanden)
Was typischerweise nicht geht
- Komplettes Entfernen einer tragenden Querwand (die Deckenplatte wäre nicht mehr unterstützt)
- Sehr breite Durchbrüche (> 2 m) in Querwänden
- Durchbrüche in Giebelwänden (aussteifend)
Warum ist der Statiker hier besonders wichtig?
Plattenbauten sind seriell – aber nicht alle gleich. Die tatsächliche Tragfähigkeit hängt ab von:
- Plattentyp und Baujahr
- Geschoss (EG vs. 10. OG – unterschiedliche Lasten)
- Vorhandene Durchbrüche in anderen Wohnungen (gleiche Wand, anderes Geschoss)
- Zustand der Bausubstanz
Ein Statiker mit Plattenbau-Erfahrung kann die Originalpläne interpretieren und die Machbarkeit realistisch einschätzen.
Kosten
| Posten | Kosten (ca.) |
|---|---|
| Statikgutachten | 299–600 € |
| Baugenehmigung | 200–600 € |
| Durchbruch + Stahlträger | 2.000–4.000 € |
| Nacharbeiten | 500–1.000 € |
| Gesamt | ca. 3.000–6.200 € |
Tipps für Plattenbau-Eigentümer
- Originalunterlagen besorgen: Kontaktieren Sie die Hausverwaltung oder das Bauamt – oft sind die Typenpläne archiviert.
- Nachbarn fragen: Oft haben andere im Haus bereits Durchbrüche gemacht – deren Erfahrungen (und Statiker) helfen.
- Statiker mit Plattenbau-Erfahrung wählen: Nicht jeder Statiker kennt die Besonderheiten der DDR-Bauweise.
Auch interessant
- Wanddurchbruch im Altbau: Besondere Herausforderungen (bald verfügbar)
- Wanddurchbruch in der Eigentumswohnung (WEG) (bald verfügbar)
- Wanddurchbruch Kosten komplett
Plattenbau-Durchbruch prüfen lassen
Senden Sie uns Ihre Angaben – wir prüfen die Machbarkeit und berechnen die Statik. Ab 299 € Festpreis.
Zum Gutachten →