Fertighäuser sind beliebt – aber wenn es um Umbauten geht, herrscht oft Unsicherheit. Kann man in einem Fertighaus eine Wand durchbrechen? Die kurze Antwort: Ja, aber es ist komplizierter als im Massivbau.
Wie unterscheidet sich der Fertigbau?
Im klassischen Massivbau (Ziegel, Kalksandstein, Beton) sind die Lastverhältnisse relativ klar. Im Fertigbau gibt es verschiedene Konstruktionsarten, die alle anders funktionieren:
Holzständerbauweise
Vertikale Holzständer im Raster (z. B. 62,5 cm) bilden das Tragwerk. Die Wände sind meist mit Gipskarton- oder OSB-Platten beplankt. Jeder Ständer kann Lasten tragen – entfernt man einen, fehlt ein Glied in der Kette.
Holztafelbauweise
Vorgefertigte Wandelemente (Tafeln) werden in der Fabrik zusammengebaut und auf der Baustelle montiert. Die gesamte Tafel wirkt als tragendes Element – ein Durchbruch durchschneidet die Scheibenwirkung.
Stahlleichtbau
Ähnlich wie Holzständer, aber mit Stahlprofilen. Weniger verbreitet, aber die gleiche Problematik: Jedes Profil hat eine Funktion.
Das Hauptproblem: Scheibenwirkung
Im Massivbau tragen Wände primär vertikale Lasten (Decken, Dach). Im Fertigbau übernehmen Wände zusätzlich eine wichtige aussteifende Funktion: Sie stabilisieren das Gebäude gegen Windkräfte und horizontale Belastungen (Scheibenwirkung).
Wird eine Wand geöffnet, kann die Scheibenwirkung gestört werden – das Gebäude wird instabiler. Das gilt auch für Wände, die im Massivbau als „nichttragend“ gelten würden.
Ist ein Durchbruch möglich?
Grundsätzlich ja, aber unter strengeren Bedingungen:
- Statiker ist immer Pflicht – auch bei vermeintlich nichttragenden Wänden
- Die maximale Öffnungsbreite ist oft eingeschränkter als im Massivbau
- Ggf. müssen Ersatzaussteifungen eingebaut werden
- Die Herstellerdokumentation ist essenziell – Konstruktionspläne vom Fertighausanbieter besorgen
Was der Statiker braucht
Für ein Fertighaus ist die Datenlage besonders wichtig:
- Konstruktionspläne des Herstellers (oft über den Fertighaus-Anbieter erhältlich)
- Wandaufbau und Beplankung
- Dachkonstruktion (Pfettendach, Sparrendach)
- Ständerraster und -querschnitte
- Baujahr und Hersteller
Tipp: Kontaktieren Sie den Fertighausanbieter. Viele haben Unterlagen archiviert und können sogar eine Stellungnahme zur Machbarkeit geben.
Kosten im Fertighaus
Die Kosten sind vergleichbar mit einem Massivbau-Durchbruch, allerdings kann die Statik aufwändiger (und teurer) sein, weil die Berechnungen komplexer sind:
| Posten | Kosten (ca.) |
|---|---|
| Statikgutachten (Fertighaus) | 399–1.000 € |
| Durchbruch + Träger | 2.000–5.000 € |
| Ggf. Ersatzaussteifung | 500–2.000 € |
| Nacharbeiten | 500–1.000 € |
| Gesamt | ca. 3.500–9.000 € |
Stand März 2026
Wann ist ein Durchbruch nicht möglich?
- Wenn die Wand eine zentrale aussteifende Funktion hat und keine Ersatzaussteifung möglich ist
- Bei sehr großen Öffnungsbreiten in Außenwänden
- Wenn die Herstellerunterlagen fehlen und der Aufbau nicht zerstörungsfrei ermittelt werden kann
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