Sturz, Betonsturz oder Stahlträger: Was ist der Unterschied?

26. März 2026 | Statik

Sturz, Betonsturz oder Stahlträger: Was ist der Unterschied?

Über jeder Öffnung in einer tragenden Wand – ob Tür, Fenster oder Durchbruch – muss ein Sturz die Lasten sicher über die Öffnung hinweg auf die seitlichen Wandbereiche ableiten. Aber Sturz ist nicht gleich Sturz: Je nach Situation kommen verschiedene Typen zum Einsatz.

Was ist ein Sturz?

Ein Sturz ist ein horizontaler Träger über einer Wandöffnung. Er nimmt die Lasten auf, die von der darüber liegenden Wand und Decke kommen, und leitet sie über seine Auflagerpunkte (links und rechts der Öffnung) in die Wand ab.

Die drei gängigsten Sturzarten:

1. Stahlträger (IPE, HEB, HEA)

Der Standard bei Wanddurchbrüchen. Stahlträger sind belastbar, schlank und einfach nachträglich einzubauen.

Vorteile

  • Sehr hohe Tragfähigkeit bei geringer Bauhöhe
  • Einfach nachträglich einzubauen (kein Schalen, kein Aushärten)
  • Sofort tragfähig nach Einbau
  • Standardprofile verfügbar (kurze Lieferzeiten)

Nachteile

  • Muss gegen Korrosion geschützt werden (Brandschutzanstrich, Verkleidung)
  • Schwer (ein HEB 200, 3 m lang wiegt ca. 180 kg)
  • Sichtbar, wenn nicht verkleidet

Typische Profile

ProfilHöheGewicht/mTypische Spannweite
HEB 140140 mm33,7 kgbis 2 m
HEB 180180 mm51,2 kgbis 3 m
HEB 200200 mm61,3 kgbis 3,5 m
HEB 240240 mm83,2 kgbis 4,5 m

Ausführlicher Artikel zu Stahlträgern bei Wanddurchbrüchen. (bald verfügbar)

2. Betonsturz (Stahlbeton, Ortbeton)

Ein Stahlbetonsturz wird vor Ort geschalt und betoniert. Er wird primär im Neubau oder bei größeren Umbauten eingesetzt.

Vorteile

  • Kann an jede Form und Breite angepasst werden
  • Guter Brandschutz (Beton ist nicht brennbar)
  • Kein Korrosionsschutz nötig
  • Kann bündig in die Wand integriert werden

Nachteile

  • Aufwändiger Einbau (Schalung, Bewehrung, Betonieren)
  • Aushärtezeit: 28 Tage bis zur vollen Tragfähigkeit
  • Größere Bauhöhe als Stahl bei gleicher Tragfähigkeit
  • Nicht ideal für nachträglichen Einbau

3. Fertigteilsturz (Ziegelsturz, KS-Flachsturz)

Vorgefertigte Stürze aus Ziegel oder Kalksandstein, die im Neubau über Fenster und Türen eingesetzt werden.

Vorteile

  • Schneller Einbau im Neubau
  • Gleiche Oberfläche wie die Wand (leichter zu verputzen)
  • Guter Wärmeschutz (bei Ziegelflachsturz)

Nachteile

  • Begrenzte Tragfähigkeit und Spannweite
  • Für nachträgliche Wanddurchbrüche nicht geeignet
  • Nur für Standardmaße verfügbar

Welcher Sturz für welche Situation?

SituationEmpfohlener Sturz
Nachträglicher WanddurchbruchStahlträger (Standard)
Neubau: Fenster/TüröffnungFertigteilsturz oder Betonsturz
Große Spannweiten (> 4 m)Stahlträger (HEB 240+)
Brandschutzanforderung F90Betonsturz oder verkleideter Stahlträger
Geringe AufbauhöheStahlträger (schlankeres Profil)

Kosten im Vergleich

SturztypMaterialEinbauGesamt (ca.)
Stahlträger HEB 200200–400 €500–1.500 €700–1.900 €
Betonsturz (Ortbeton)100–300 €800–2.000 €900–2.300 €
Fertigteilsturz50–150 €200–500 €250–650 €

Stand März 2026

Wer entscheidet, welcher Sturz nötig ist?

Das bestimmt in der Regel der Statiker in seinem Gutachten. Er berechnet die Lasten und gibt das erforderliche Profil oder die Betonabmessungen vor. Als Bauherr sollten Sie nicht eigenständig entscheiden – die falsche Wahl kann schwerwiegende Folgen haben.

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