Wenn Sie eine tragende Wand durchbrechen, muss die Last, die bisher von der Wand getragen wurde, umgeleitet werden. In den meisten Fällen geschieht das über einen Stahlträger (auch Sturz oder Unterzug genannt). Aber welchen Träger brauchen Sie? Und wer bestimmt die Größe?
Wann ist ein Stahlträger nötig?
Ein Stahlträger ist erforderlich, wenn:
- Sie eine tragende Wand durchbrechen oder entfernen
- Die Öffnungsweite größer ist als das, was das vorhandene Mauerwerk selbst überbrücken kann (in der Regel ab ca. 1 m bei tragenden Wänden)
- Die Decke über dem Durchbruch Lasten abträgt (Wohnräume, obere Geschosse, Dach)
Bei nichttragenden Wänden ist in der Regel kein Stahlträger nötig – hier genügt oft ein einfacher Sturz aus Mauerwerk oder ein Flachstahl.
Welche Stahlträger-Typen gibt es?
IPE-Träger (Doppel-T-Träger)
Der Standard für Wanddurchbrüche. Das Profil sieht von der Seite aus wie ein „I“ oder „H“. Gängige Größen für Wanddurchbrüche: IPE 120 bis IPE 300.
HEB/HEA-Träger
Breitere Flansche als IPE-Träger. Werden eingesetzt, wenn besonders hohe Lasten aufgenommen werden müssen oder die Auflagerfläche vergrößert werden soll.
UPE/UPN-Träger (U-Profil)
U-förmige Profile, die gelegentlich als Sturz eingesetzt werden. Weniger tragfähig als IPE-Träger, aber für kleinere Öffnungen ausreichend.
Stahlbetonfertigsturz
Für kleinere Öffnungen (bis ca. 1,25 m) gibt es vorgefertigte Betonstürze. Diese sind günstiger als Stahlträger, aber in der Tragfähigkeit begrenzt.
Wie bestimmt der Statiker die Größe?
Die Bemessung hängt von mehreren Faktoren ab:
- Lasten: Welche Lasten drücken auf die Wand? Eigengewicht der Decke, Nutzlast (Möbel, Personen), Lasten aus oberen Geschossen, ggf. Dachlasten.
- Öffnungsweite: Je breiter der Durchbruch, desto größer muss der Träger sein. Ein 90-cm-Türdurchbruch braucht einen deutlich kleineren Träger als eine 2,50-m-Küchenöffnung.
- Auflagerbedingungen: Wie viel Auflagerfläche steht links und rechts zur Verfügung? Die Wandpfeiler müssen die Punktlast vom Träger aufnehmen können.
- Durchbiegung: Der Träger darf sich unter Last nicht zu stark durchbiegen – sonst gibt es Risse in Putz und Estrich.
All diese Berechnungen sind komplex und erfordern Fachwissen. Genau dafür ist das Statikgutachten da: Der Statiker berechnet exakt, welches Profil Sie brauchen.
Was kostet ein Stahlträger?
| Posten | Kosten (ca.) |
|---|---|
| Stahlträger (Material) | 150–600 € |
| Einbau durch Fachfirma | 300–1.200 € |
| Statikgutachten (VTM Festpreis) | 299–499 € |
| Verputzen und Verkleiden | 200–500 € |
Der Materialpreis hängt stark von Profil und Länge ab. Ein IPE 160 für einen 1,50-m-Durchbruch kostet ca. 150–250 €. Ein HEB 200 für eine 2,50-m-Öffnung eher 400–600 €.
Stand März 2026
Wie läuft der Einbau ab?
- Statikgutachten: Der Statiker berechnet den erforderlichen Träger und erstellt eine Ausführungsskizze.
- Abstützung: Die Decke wird links und rechts des geplanten Durchbruchs mit Baustützen gesichert.
- Schlitze stemmen: In der Wand werden Schlitze für die Trägerauflager gestemmt.
- Träger einsetzen: Der Stahlträger wird eingebaut und auf den Auflagern fixiert.
- Mauerwerk entfernen: Erst wenn der Träger sicher sitzt, wird das Mauerwerk darunter entfernt.
- Verputzen: Der Träger wird verkleidet und verputzt.
Wichtig: Die Reihenfolge ist entscheidend! Zuerst den Träger einsetzen, dann die Wand entfernen. Niemals umgekehrt.
Häufige Fragen
Kann ich den Stahlträger selbst einbauen?
Davon raten wir dringend ab. Der Einbau erfordert Erfahrung, die richtige Ausrüstung und exakte Ausführung gemäß der statischen Vorgaben. Beauftragen Sie eine Fachfirma.
Kann man den Stahlträger sichtbar lassen?
Ja – sichtbare Stahlträger sind im Industrial-Style sogar gewollt. In dem Fall muss der Träger gegen Korrosion geschützt werden (Grundierung und Lack oder Feuerverzinkung). Achten Sie auch auf den Brandschutz: In Mehrfamilienhäusern kann eine Verkleidung je nach Landesbauordnung vorgeschrieben sein.
Gibt es Alternativen zum Stahlträger?
Für kleinere Öffnungen: Stahlbetonfertigsturz oder Ziegelsturz. Für große Öffnungen gibt es keine gleichwertige Alternative – Stahl ist das effizienteste Material für Unterzüge.
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