Aufzug nachträglich einbauen: Wer klärt die Statik?

24. Juni 2026 | Statik

Aufzug nachträglich einbauen: Wer klärt die Statik?

Irgendwann wird die Treppe zum Problem. Ob altersgerechtes Wohnen, Barrierefreiheit für die Familie oder einfach mehr Komfort — immer mehr Eigentümer denken über einen nachträglichen Aufzug nach. Und das aus gutem Grund: Wer früh plant, kann im eigenen Haus alt werden.

Was viele unterschätzen: Ein Aufzug-Einbau greift tief in die Gebäudestatik ein. Deckendurchbrüche über mehrere Geschosse, ein eigenes Fundament für den Schacht und die Anbindung an die bestehende Konstruktion — das ist kein Projekt, das man ohne Tragwerksplaner angeht.

Warum immer mehr Eigentümer über einen Aufzug nachdenken

  • Altersgerecht wohnen: Im eigenen Haus bleiben, statt ins Erdgeschoss oder ins Pflegeheim umziehen
  • Barrierefreiheit nachrüsten: Für sich selbst oder mobilitätseingeschränkte Familienangehörige
  • Wertsteigerung: Ein Aufzug macht die Immobilie attraktiver — besonders in Mehrfamilienhäusern

Homelift, Plattformlift oder klassischer Aufzug — was braucht Statik?

Nicht jede Aufzug-Variante erfordert den gleichen Aufwand — aber fast alle greifen in die Gebäudestatik ein:

  • Homelift / Senkrechtlift: Benötigt Deckendurchbrüche in jedem Geschoss und einen Schacht. Auch wenn Hersteller diese Variante als „unkompliziert“ vermarkten — statisch ist sie anspruchsvoll.
  • Plattformlift (Treppenlift): Die einzige Variante, die meist keine statischen Eingriffe erfordert — er fährt entlang der vorhandenen Treppe.
  • Klassischer Personenaufzug: Die aufwändigste Variante. Schacht, Maschinenraum, Grube — alles muss statisch geplant werden.
  • Außenaufzug: Braucht ein separates Fundament und eine statische Anbindung an die Gebäudefassade.

Was ein Aufzug-Einbau für die Statik bedeutet

Ein nachträglicher Aufzug erfordert typischerweise Deckendurchbrüche in jedem Geschoss — und jeder einzelne muss statisch berechnet werden. Im Detail:

  • Deckendurchbrüche über mehrere Geschosse für die Schachtöffnung
  • Jede Decke muss einzeln auf Tragfähigkeit geprüft werden
  • Schachtlasten müssen sicher ins Fundament abgeleitet werden
  • Eigene Gründung (Grube) für den Aufzugschacht erforderlich
  • Horizontale Anbindung an das Bestandsgebäude muss berechnet werden

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Besondere Herausforderungen im Altbau

Altbauten stellen den Tragwerksplaner vor zusätzliche Herausforderungen:

  • Unterschiedliche Deckentypen: In verschiedenen Geschossen können völlig unterschiedliche Deckenkonstruktionen verbaut sein
  • Unklare Tragfähigkeit: Bei alten Konstruktionen fehlen oft verlässliche Angaben zur Belastbarkeit
  • Fehlende Bestandspläne: Ohne Pläne muss der Bestand erst aufgenommen werden
  • Denkmalschutz: Kann den Einbau erheblich erschweren oder bestimmte Varianten ausschließen

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Welche Genehmigungen sind nötig?

Der nachträgliche Einbau eines Aufzugs ist in der Regel baugenehmigungspflichtig (Stand Mai 2025):

  • Baugenehmigung mit Standsicherheitsnachweis für alle betroffenen Bauteile
  • In Eigentumswohnungen: WEG-Beschluss erforderlich (seit der WEG-Reform haben einzelne Eigentümer einen Anspruch auf bauliche Veränderungen zur Barrierefreiheit — die Kosten tragen sie aber selbst)
  • Fördermöglichkeiten (KfW, Pflegekasse) setzen oft eine fachgerechte Planung mit statischem Nachweis voraus

So klären Sie die Statik — bevor Sie Aufzugfirmen anfragen

Viele machen den Fehler, zuerst Aufzugfirmen zu kontaktieren und dann festzustellen, dass der Einbau statisch gar nicht so einfach ist. Der bessere Weg:

  1. Erst Statik klären: Ein Tragwerksplaner prüft die Machbarkeit und berechnet die nötigen Eingriffe
  2. Dann Aufzugtyp wählen: Mit den statischen Vorgaben können Sie gezielt passende Systeme vergleichen
  3. Ergebnis als Grundlage: Das Statik-Gutachten dient als Basis für Aufzugfirmen und Bauantrag

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Bei einem Eingriff durch alle Geschosse gilt ohne Ausnahme: Im Zweifel ist ein Statik-Gutachten die sicherere Wahl. Es klärt Machbarkeit und Kosten, bevor Sie sich auf einen Aufzugstyp festlegen – und schützt vor teuren Fehlplanungen, die später nur schwer korrigierbar sind.

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